Bau des Monats
Hochhäuser Albanteich Promenade

Morger Partner Architekten verlängern in Basel vier zu sanierende Hochhausscheiben mit eigenständigen Punktbauten. Durch eine Fuge getrennt, führen die Anbauten die Sprache der bestehenden Fassaden differenziert weiter und schaffen Verdichtung mit einem sensiblen Blick auf das städtebauliche Gesamtbild.

Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Ansicht vom St. Alban-Teich (Foto: Maris Mezulis)

Welches Ziel bezweckte das Bauvorhaben?

Das Areal liegt im südlichen Teil des Gellertquartiers in Basel, wo unterschiedliche Wohnzonen und städtische Bautypologien aufeinandertreffen. Der St. Alban-Teich fliesst durch das Areal hindurch, und dessen Uferpromenade mit dichtem Baumbestand schafft eine grünräumliche Verbindung der Parkanlagen und Naherholungsgebiete der Umgebung. Um das Areal städtebaulich zu verdichten wurden die vier 17-geschossigen Hochhausscheiben, die 1960 von Suter+Suter fertiggestellt wurden, durch räumlich und statisch unabhängige Punkthochhäuser an der Brandwand erweitert. Sechs dreigeschossige Neubauten, von denen drei 2021 fertiggestellt wurden, ersetzten zudem die pavillonartigen Flachbauten entlang des St. Alban-Teichs.

Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Bestand, Blick von Osten (Foto: bauzeitlich)
Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Bestand, Blick von Südwesten (Foto: bauzeitlich)

War ein Abbruch jemals ein Thema? Wenn ja, weshalb wurde er verworfen?

Die drei institutionellen Eigentümer des Areals einigten sich 2010 darauf, eine Verdichtung zu prüfen. Wir erhielten den Auftrag für eine Machbarkeitsstudie, um diesbezüglich Lösungen bei gleichzeitigem Erhalt der wertvollen baulichen Strukturen und Grünräume zu entwickeln. Im Entwurfsprozess wurde schnell klar, dass der Anbau an der ehemaligen Brandwand eine bedeutende Verdichtung des Areals ermöglicht, ohne das städtebauliche Gefüge und die bestehende Parklandschaft wesentlich zu verändern. Ein Abbruch der bestehenden Hochhausscheiben war insofern nie ein Thema.

Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Überblick Areal (Foto: Maris Mezulis)

Gibt es Qualitäten im Bestand, inkl. Aussenraum, die das Projekt beeinflusst haben?

Die Verdichtung des Areals berücksichtigt und bewahrt die städtebauliche Komposition der bestehenden Hochhausscheiben, die räumlich versetzt auf dem Gelände angeordnet sind. Zwischen den Bauten fliessen grosszügige Grünräume und der St. Alban-Teich, die dem Areal einen parkähnlichen Charakter geben. Durch das Anbauen an die bestehenden Hochhäuser konnten dreiseitig belichtete Neubauten geschaffen werden, die Ausblicke in unterschiedliche Himmelsrichtungen sowie Sichtbezüge zu den Grünräumen ermöglichen. Hinsichtlich des architektonischen Ausdrucks wurden die neuen Materialien und Farbtöne in enger Anlehnung an den Bestand ausgearbeitet.

Wie gross war die Eingriffstiefe? Welche Bauteile wurden wie instandgesetzt, ertüchtigt oder ersetzt?

Neben der Projektierung und Umsetzung der vier Anbauten fand auch eine Teilsanierung (Fassade, Treppenhäuser und Steigzonen) der bestehenden Hochhausscheiben statt. Die Teilsanierung von zwei der vier Bestandesbauten wurde als separates Projekt parallel zur Erstellung der Neubauten umgesetzt, wo wir jedoch nur in wenigen Belangen beratend zur Seite standen.

Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Kopfbau (Foto: Maris Mezulis)

Worin bestand die grösste Herausforderung?

Aufgrund der heutigen baugesetzlichen Vorgaben — insbesondere hinsichtlich lichter Raumhöhe, Statik bzw. Erdbebensicherheit sowie gebäudetechnischer Ausstattung — verfügen die Neubauten nur über 16 statt 17 Geschosse, welche mit einer Attika als 17. Geschoss ergänzt werden. Eine zentrale Herausforderung war es, das Gesamtbild von Neu- und Altbauten dennoch harmonisch wirken zu lassen. Die Erscheinung der Fassade ist geprägt durch die horizontalen Elemente der Brüstungsbänder. Sie zitieren die angrenzende Fassade der bestehenden Hochhäuser und interpretieren diese neu. Das Weiterbauen der Hochhauszeilen wird daher über die Anlehnung der Fassadengestaltung an den Bestand verdeutlicht. Der Detaillierung der Fassade wurde eine ganz besondere Beachtung geschenkt. Materialwahl, die Dimensionen und die Fügung der Elemente mussten der Ästhetik und dem vorgegebenen Kostenrahmen gerecht werden und eine elegante Antwort auf das Weiterbauen des Bestands geben. Über viele Bemusterungen, den Austausch mit Unternehmern, einem Mock-Up vor Ort und zuletzt im Dialog mit der Stadtbildkommission konnten wir alle Aspekte zielführend zusammenbringen.

Aus erdbebentechnischen Gründen musste eine 70 cm breite Fuge zwischen den Neubauten und der bestehenden Bausubstanz ausgebildet werden, um eine gegenseitige Beeinflussung auszuschliessen. Aufgrund der möglichen grossen Bewegungen der Baukörper stellte die Ausbildung dieser Fuge eine besondere bautechnische Herausforderung dar. Durch die Trennung der neuen und bestehenden Gebäude wurden die baulichen Immissionen auf die Bewohnerinnen und Bewohner auf einem vertretbaren Level gehalten, und sie konnten während des gesamten Bauprozesses in ihren Wohnungen bleiben. Dennoch war es insbesondere für die Bauleitung eine Herausforderung, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Hinter dem Projekt standen drei unterschiedliche Eigentümer, was für die Projektierung und die Prozesse eine zusätzliche Herausforderung darstellte. Die auf den ersten Blick identisch wirkenden neuen Punkthäuser unterscheiden sich teilweise im Grundrisslayout, sowie in der Materialisierung im Gebäudeinneren. Auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Standards der Bauherrschaften musste eingegangen werden, ohne den Blick für das übergeordnete Gesamtbild und das gemeinsame Ziel zu verlieren. Viele Akteure mussten in der Planung und Entscheidungsfindung berücksichtigt und gleichzeitig die Kosten tief gehalten werden. Allen Bedürfnissen vorangestellt war immer das Ziel der Umsetzung eines gemeinsamen Projekts.

Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
St. Alban-Teich mit Hochhäusern und Flachbauten (Foto: Maris Mezulis)

Welche Erkenntnisse haben Sie bei der Arbeit an diesem Projekt gewonnen?

Eine solcher Ansatz der Nachverdichtung zeichnet sich durch eine gesamtheitliche Betrachtung des Themas Nachhaltigkeit aus. Trotz einer erheblichen Verdichtung des Areals mit vier Neubauten blieben dennoch die wertvollen baulichen, sozialen und freiräumlichen Strukturen erhalten. Von der Aussenperspektive wirkt das Areal aus gewissen Blickrichtungen durch die Erweiterung der Hochhausscheiben sehr dicht, innerhalb des Areals überwiegt jedoch der Eindruck einer zusammenhängenden, grosszügigen Parklandschaft.

Welche Vorarbeiten wurden geleistet, bevor das Vorprojekt beauftragt wurde?

Im Jahr 2010 wurden wir mit einer Machbarkeitsstudie für das Areal beauftragt, und 2012 bis 2015 folgte die Erarbeitung des Vorprojekts sowie des neuen Bebauungsplans.

Gab es Vorbilder/Referenzobjekte, an denen Sie sich orientiert haben?

Die Bestandshochhausscheiben waren selbstverständlich eine Referenz und Orientierung für die Ausgestaltung der neuen Punkthochhäuser. Das Ziel war es, auf diese zu reagieren, sie zu zitieren und den Neubauten dennoch eine Eigenständigkeit zu geben.

Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Dachgeschoss (Foto: Maris Mezulis)

Was würden Sie oder die Bauherrschaft rückblickend anders machen/angehen?

Die Teilsanierung der Bestandesbauten war nicht Teil unseres Auftrags. Angesichts unseres Anspruchs, in der Gestaltung der neuen Fassade auf die Wirkung, Materialisierung und Farbgebung des Bestands einzugehen, wäre rückblickend eine engere Abstimmung mit den Sanierungsprojekten wünschenswert gewesen.

Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Schwarzplan
Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Erdgeschoss
Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Regelgeschoss
Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Grundriss Häuser A & B (Redingstrasse 14 & 24)
Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Grundriss Häuser C & D (Lehenmattstrasse 284 & 306)
Erweiterung Hochhäuser Albanteichpromenade, Basel
Querschnitt

Kennwerte der Erweiterung Hochhäuser Albanteich Promenade

Mengen, nach SIA 416vorhernachher
Gebäudevolumen (GV), m³
(nur Neubau)
43'000
Geschossfläche (GF), m²
(nur Neubau)
23'500
Hauptnutzfläche (HNF), m²
(nur Neubau)
15'093
Funktionale Einheiten (FE), Stk.
(bestehende & angebaute Hochhäuser)
534702
Wohnungsspiegel Neubauten:
Hochhaus A: 2 x 2.5 Zi. Whg, 16 x 3.5 Zi. Whg, 16 x 4.5 Zi. Whg
Hochhaus B: 2 x 2.5 Zi. Whg, 16 x 3.5 Zi. Whg, 16 x 4.5 Zi. Whg
Hochhaus C: 32 x 2.5 Zi. Whg, 18 x 3.5 Zi. Whg
Hochhaus D: 32 x 2.5 Zi. Whg, 18 x 3.5 Zi. Whg

Wohnungsspiegel Bestand:
Hochhaus A: 65 x 2.5 Zi. Whg, 64 x 3.5 Zi. Whg, 3 x 4.5 Zi. Whg
Hochhaus B: 64 x 2.5 Zi. Whg, 64 x 3.5 Zi. Whg, 4 x 4.5 Zi. Whg
Hochhaus C: 68 x 2.5 Zi. Whg, 68 x 3.5 Zi. Whg
Hochhaus D: 17 x 1.5 Zi. Whg. 17 x 2.5 Zi. Whg, 34 x 3.5 Zi. Whg, 34 x 4.5 Zi. Whg
Baukosten, CHF inkl. MWSt.
BKP 2 Gebäude
(nur Neubau, ohne Garagierung)
62'750'000
BKP 2 Gebäude
(nur Teilsanierung Redingstrasse 10/12 und 20/22 mit 264 Einheiten)
21'289'000
BKP 2, CHF/m³ GV
(nur Neubau)
1'460
BKP 2, CHF/m² HNF
(nur Neubau)
4'160
BKP 2, CHF/Stk. FE
(nur Neubau)
373'510
BKP 2, CHF/Stk. FE
(nur Teilsanierung Redingstrasse 10/12 und 20/22, 264 Einheiten)
80'640
Energiebedarf
(Neubau)
vorhernachher
Heizwärmebedarf Qh, kWh/m²a18
Grenzwert Qh,li, kWh/m²a23
Heizwärmebedarf Qh, in % des Grenzwertes80
Energieversorgung
(Neubau)
vorhernachher
EnergieerzeugungFernwärmeFernwärme
Art der erneuerbaren EnergiePV, Abwärme ARA Birsfelden
Brandschutz
(Neubau)
vorhernachher
Musste eine massgebliche Reduktion beantragt werden?Nein
Erdbebensicherheit
(Neubau)
vorhernachher
Erfüllungfaktor αeff nach SIA 269/8 oder gem. Merkblatt SIA 20181
nach welcher Norm berechnet?SIA261
Nachhaltigkeit
(Neubau)
vorhernachher
NachhaltigkeitslabelSNBS Gold
Erfüllung Norm SN 0500
(Neubau)
vorhernachher
Wohnungszugänglichkeit gem. BEHIG?Ja
Wohnungen vollständig behindertengerecht anpassbar?Ja

Eckdaten

BauwerknameErweiterung Hochhäuser Albanteich Promenade, Basel
OrtRedingstrasse 14 & 24, Lehenmattstrasse 284 & 306
4052 Basel
Auftragsart2010 Machbarkeitsstudie, Direktauftrag
Jahr der Fertigstellung2022
Baujahr Bestand1960 (Architektur: Suter + Suter)
BauweiseMassivbau in Stahlbeton / Stützen und Platten
BauherrschaftAllianz Suisse Lebensversicherungsgesellschaft AG,
assetimmo Immobilien-Anlagestiftung,
De Bary & Co AG
(Vertretung: De Bary & Co. AG, Zürich)
ArchitekturMorger Partner Architekten AG, Basel.
Henning König, Martin Klein, Meinrad Morger, Laura Cychy, Anna-Maria Wiedekind
BauleitungS+B Baumanagement AG, Olten
FachplanerBauingenieur: wlw Bauingenieure AG, Zürich
HLKK-Ingenieur: Balplan AG, Olten
Sanitärplanung: Aeschlimann Engineering AG, Olten/ Heusi GmbH Winterthur
Elektroplanung: HEFTI. HESS. MARTIGNONI., Aarau
Landschaft: Westpol Landschaftsarchitektur GmbH, Basel
Fassadenplaner: Neuschwander+Morf AG, Basel
SpezialistenBauphysik: Zeugin Bauberatungen AG, Müsingen
Brandschutz: Hautle Anderegg+Partner AG, Bern
Geologe: Geotechnisches Institut AG, Basel