Bau des MonatsUmnutzung Isteinerstrasse

Buol & Zünd Architekten haben ein einseitig belichtetes Lagergebäude aus den 1950er-Jahren in Basel zu Wohnungen umgenutzt. Die Transformation mit geringer Eingriffstiefe versteht den Bestand als Ressource und verleiht ihm dank den vorhandenen Pilzstützen und neuen gerundeten Wänden überraschende Wohnqualitäten.

Isteinerstrasse
Das Lagergebäude blieb in seiner Grundgestalt erhalten: ein dreigeschossiger Bau mit zentralem Risalit,
mintgrün gefasster Fassade und klar ablesbarer Betonstruktur.
(Foto: Gionata Buzzi / Buol & Zünd Architekten)

Welches Ziel bezweckte das Bauvorhaben?

Das Lagergebäude an der Isteinerstrasse sollte durch eine behutsame Transformation in Wohnraum überführt werden – ohne seine industrielle Herkunft zu übertönen. Ziel war es, die vorhandenen räumlichen Qualitäten des Bestands – die Raumhöhen, die Tragstruktur, die Fassade – als Ausgangspunkt und Mehrwert für die neuen Wohnungen einzusetzen, um daraus eine neue, atmosphärisch eigenständige Wohnqualität zu entwickeln.

War ein Abbruch jemals ein Thema? Wenn ja, weshalb wurde er verworfen?

Zu Beginn stand die Überlegung, stärker in den Bestand einzugreifen. Nach eingehender Analyse zeigte sich jedoch, dass wesentliche Teile des Gebäudes – Tragwerk, Fensterbänder und Dämmung aus den 1990er-Jahren, Erschliessung und Treppenhaus – weiterhin intakt und funktionstüchtig waren. Ein Abbruch wäre weder baulich noch ökologisch begründbar gewesen.

Isteinerstrasse
Aussenansicht vor dem Umbau

Gibt es Qualitäten im Bestand, inkl. Aussenraum, die das Projekt beeinflusst haben?

Die markanten pilzförmigen Stützen, die Raumhöhen von rund drei Metern und die hohe Tragfähigkeit des Betonbaus waren zentrale Ausgangspunkte des Entwurfs. Die grosszügig verglaste Südfassade mit durchlaufenden Fensterbändern prägte die Grundrissorganisation. Der betonierte Vorplatz musste aus rechtlichen Gründen unverändert erhalten bleiben und dient heute als gemeinsamer Aussenraum.

Wie gross war die Eingriffstiefe? Welche Bauteile wurden wie instandgesetzt, ertüchtigt oder ersetzt?

Die Eingriffstiefe wurde bewusst gering gehalten. Tragwerk, Fassade, Fensterbänder, Dämmung und Treppenhaus wurden übernommen. Im Innern wurden neue, geschwungene Mauerwerkswände eingefügt, die auf die Pilzstützen reagieren und Licht tief in die Grundrisse führen. Der Boden wurde mit Trittschalldämmung neu aufgebaut und mit Belägen ergänzt. Die gefangenen Nasszellen wurden mit einer Einzellüftung ausgestattet. Die früheren Garagen im Erdgeschoss wurden zu Studios umgebaut, und auf dem Dach entstanden neue Gartenplätze. Im Untergeschoss befinden sich eine Tiefgarage, Kellerabteile und die Technik.

Isteinerstrasse
Geschwungene Wände fassen Räume, lenken Blicke und führen das Licht tief in die Wohnungen.
(Foto: Gionata Buzzi / Buol & Zünd Architekten)
Isteinerstrasse
Mitten in der Küche: Die Stützen stehen je nach Wohnung an unterschiedlichen Stellen.
(Foto: Gionata Buzzi / Buol & Zünd Architekten)

Worin bestand die grösste Herausforderung?

Die einseitige Belichtung des Lagergebäudes von Süden, kombiniert mit der grossen Bautiefe von 12.4 m, stellte die grösste Herausforderung dar. Die Lösung lag in geschwungenen Innenwänden, die sich um die Stützen legen und das Licht mit fliessendem Helligkeitsabfall entlang der Krümmung weit in den Grundriss führen – ergänzt durch einen schmalen Raumstreifen entlang des Fensterbands, der die Haupträume stärker zur Fassade orientiert.

Isteinerstrasse
Die markanten pilzförmigen Stützen des Bestands prägen das Ambiente in den Wohnungen.
(Foto: Gionata Buzzi / Buol & Zünd Architekten)
Isteinerstrasse
Mit dem schmalen Durchgang, der die Haupträume stärker auf das Fensterband ausrichtet, entsteht ein Raumkontinuum.
(Foto: Gionata Buzzi / Buol & Zünd Architekten)

Welche Erkenntnisse haben Sie bei der Arbeit an diesem Projekt gewonnen?

Nachhaltigkeit bedeutet für uns zunächst die unveränderte Weiterverwendung des Bestands, um dessen Ressourcen zu nutzen und die im Bau gebundene graue Energie zu erhalten. Dieses Projekt hat gezeigt, dass scheinbare Widersprüche in den Anforderungen einer Nutzungstransformation – etwa ungewöhnliche Stützenstellungen oder Einschränkungen im Aussenraum – zu eigenständigen architektonischen Qualitäten werden können, wenn man sie als Ausgangspunkt begreift statt als Problem.

Welche Vorarbeiten wurden geleistet, bevor das Vorprojekt beauftragt wurde?

Im Jahr 2023 wurde eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, um die bauliche und wirtschaftliche Tragbarkeit der Transformation zu klären.

Gab es Vorbilder/Referenzobjekte, an denen Sie sich orientiert haben?

–

Was würden Sie oder die Bauherrschaft rückblickend anders machen/angehen?

Wir haben sehr viel vom Bestand belassen und das Mögliche herausgeholt. Jedes Gebäude erfordert die sorgfältige Entzifferung seines Potentials.

Isteinerstrasse
Situation
Isteinerstrasse
Erdgeschoss
Isteinerstrasse
1. Obergeschoss
Isteinerstrasse
2. Obergeschoss
Isteinerstrasse
Dachgeschoss
Isteinerstrasse
Querschnitt durch die Wohnungen
Isteinerstrasse
Querschnitt durch das Treppenhaus
Isteinerstrasse
Fassadenansicht

Kennwerte der Transformation eines Lagergebäudes zu Wohnungen

Mengen, nach SIA 416vorhernachher
Gebäudevolumen (GV), m³2,860
Geschossfläche (GF), m²2,213
Hauptnutzfläche (HNF), m²1,889
Funktionale Einheiten (FE), Stk.25
Baukosten, CHF inkl. MWSt.
BKP 1 Vorbereitungsarbeiten194,280
BKP 2 Gebäude5,621,410
BKP 4 Umgebung54,300
BKP 5 Baunebenkosten552,900
BKP 9 Ausstattung
BKP 1-9, CHF6,422,890
BKP 2, CHF/m³ GV1,970
BKP 2, CHF/m² HNF2,980
BKP 2, CHF/Stk. FE224,860
BKP 1-9, CHF/m³ GV2,250
BKP 1-9, CHF/m² HNF3,400
BKP 1-9, CHF/Stk. FE256,920
Energiebedarfvorhernachher
Energiebezugsfläche EBF, m²2,318
Heizwärmebedarf Qh, kWh/m²a70
Grenzwert Qh,li für Umbauten, kWh/m²an.b.
Heizwärmebedarf Qh, in % des Grenzwertes–
Elektrizität, inkl. Wärmepumpe (falls vorhanden), kWh/m²an.b.
Gesamtenergiebedarf (Heizwärmebedarf + Elektrizität), kWh/m²a–
Energieversorgungvorhernachher
EnergieerzeugungFernwärme + PV-Anlage
Eigenenergieversorgung erneuerbare Energie (PV, SK, Umweltwärme), kWh/m²an.b.
Art der erneuerbaren EnergiePhotovoltaik (Dach)
Lüftung
Lüftungskonzept:
kontrollierte Wohnraumlüftung
Schallschutzvorhernachher
Luftschallschutz Decke Di, dB
(mind. ≥ 52.0 dB nach SIA 181)
n.b.eingehalten
Trittschallpegel Boden L', dB
(max. ≤ 55.0 dB Umbau gemäss SIA 181)
n.b.eingehalten
In welchem Umfang sind Bauteile ertüchtigt worden?
neuer Bodenaufbau, Innenwände
Brandschutzvorhernachher
Musste eine massgebliche Reduktion beantragt werden?nein
Erdbebensicherheitvorhernachher
Erfüllungsfaktor αeff nach SIA 269/8 oder gem. Merkblatt SIA 2018ja
nach welcher Norm berechnet?
Nachhaltigkeitvorhernachher
Nachhaltigkeitslabelkeine
Treibhausgasemissionen Erstellung und Betrieb gem. SIA 2040, THG (kg CO2-eq/m²a)n.b.
Erfüllung Norm SN 0500vorhernachher
Wohnungszugänglichkeit gem. BEHIG?ja
Wohnungen vollständig behindertengerecht anpassbar?ja

Eckdaten

BauwerknameTransformation eines Lagergebäudes zu Wohnungen
OrtIsteinerstrasse 82
4058 Basel
AuftragsartDirektauftrag
Jahr der Fertigstellung2025
Baujahr Bestand1956 (Architektur: Heinz K. Egger Architekt Basel)
BauweiseBetonmassivbau
BauherrschaftUWP Sammelstiftung, Basel
Architektur, BauleitungBuol & Zünd Architekten BSA, Basel
Mitarbeit: Vincenzo Maddalena (Projektleitung und Bauleitung), Alexander Kretzschmar, Cyprien Marin, Elias Uhl, Michelle Jäggi, Luca Borlenghi, Simon Bergström
FachplanerGruner AG, Basel (Bauingenieure)
Gartenmann Engineering AG, Basel (Bauphysik, Akustik)
Edeco AG, Aesch (Elektroplanung)
Alltech Installationen AG, Muttenz (HLKS-Planung)
EL-Tech, Basel (Brandschutz)
Rieper Pflanzberatung, Basel (Landschaftsarchitektur)