Bau des MonatsThe Brick 80
Das Architekturbüro Züst Gübeli Gambetti hat in Zürich-Oerlikon ein Bürogebäude aus den 1980er-Jahren mit minimalen Eingriffen in ein Wohnhaus transformiert. Statt individueller Balkone bietet es Sitzgelegenheiten im Aussenraum und eine Dachterrasse. Ein Waschsalon und eine Teeküche machen derweil den Eingangsbereich zum Begegnungsraum.

Welches Ziel bezweckte das Bauvorhaben?
Das Bürogebäude sollte mit möglichst einfachen Massnahmen in ein Wohngebäude umgenutzt werden. Die Vision einer lebenswerten «Stadt der kurzen Wege», in der Wohnen und Arbeiten verschmelzen, stand dabei Pate. Angesichts des Umbaupotenzials des Gebäudes versprach seine «Aufforstung» mit 95%-Wohnanteil und Gemeinschaftsräumen ein fruchtbares Biotop zu werden. Nebst eines vitalen Mietermix und gemeinschaftsfördernden Einrichtungen bestand die Leitidee in einer möglichst geringen Eingriffstiefe und wenig Abbruch. Bei der Umnutzung der Büroetagen wurde mit minimalen Mitteln eine charakterstarke, wohnliche Loft-Atmosphäre geschaffen. Sichtbetondecken, Gussasphaltböden sowie Aufputz-geführte Stoffkabel, die sich wie Spinnennetze über Wände und Decken ziehen, tragen die Spuren der Vornutzung zur Schau.
War ein Abbruch jemals ein Thema? Wenn ja, weshalb wurde er verworfen?
Nein. Da der Rohbau und die Gebäudehülle noch in einem relativ guten Zustand waren, galt es, diese möglichst unverändert zu belassen und nur gezielte Veränderungen vorzunehmen.
Gibt es Qualitäten im Bestand, inkl. Aussenraum, die das Projekt beeinflusst haben?
Das bestehende Betonskelett des Gebäudes gab die Struktur und das Raster im Grundriss vor. Auch die bestehenden Raumhöhen, 3.7m im Erdgeschoss, 3.0m in den Obergeschossen waren prägend. Der grosszügige Eingangsbereich mit Küchenzeile und auch der Waschsalon dienen explizit als Begegnungsräume für die Bewohnerinnen und Bewohner.

(Foto: Roger Frei)
Wie gross war die Eingriffstiefe? Welche Bauteile wurden wie instandgesetzt, ertüchtigt oder ersetzt?
Rohbau und Gebäudehülle wurden nur punktuell erneuert, wo unbedingt erforderlich. Die bestehenden Holzmetallfenster wurden nur überprüft und neu eingestellt, es gab keinen Glasersatz. In den Atelierwohnungen im EG wurden in die bestehenden Pfosten-Riegel-Verglasungen neue Fenstertüren eingesetzt. Alle Fenster im Attikageschoss wurden erneuert, an der Längsseite hat es im bestehenden Gebäude nur hochliegende Fenster. Auch die bestehenden Heizkörper wurden nur punktuell ergänzt. Die restliche Gebäudetechnik und der Ausbau wurden jedoch komplett erneuert. Jede der 110 Wohneinheiten hat im Grundriss eine identische Nasszelle mit Küche als Box.
Worin bestand die grösste Herausforderung?
Es war sehr anspruchsvoll, der bestehenden Fassade eines Bürogebäudes (rötliche Betonelemente, hellblaue Fensterbänder und Bleche mit strengem Raster, keine Balkone) ein neues Gesicht als Wohngebäude zu geben. Im Dialog mit dem Amt für Städtebau und unter Beizug des Künstlers Thomas Rutherfoord wurde das neue Farbkonzept der Fassade entwickelt.
Welche Erkenntnisse haben Sie bei der Arbeit an diesem Projekt gewonnen?
Die Loslösung der beiden vertikalen Fluchtwege von der grossen Eingangshalle ermöglichte deren bessere Nutzung (Möblierung, Bereich als Gemeinschaftsraum). Trotz der Nutzungsänderung von Büro zu Wohnen genossen die grosse Anzahl bestehender Parkplätze in der Tiefgarage eine Bestandsgarantie und mussten nicht reduziert werden.

Welche Vorarbeiten wurden geleistet, bevor das Vorprojekt beauftragt wurde?
Ein früheres Projekt mit grösserer Eingriffstiefe und einer neuen durchlaufenden Balkonschicht scheiterte an den hohen Baukosten.

Gab es Vorbilder/Referenzobjekte, an denen Sie sich orientiert haben?
Nein.

Was würden Sie oder die Bauherrschaft rückblickend anders machen/angehen?
Auf jedem Regelgeschoss wurden für die Baulogistik und den Zugang in die Geschosse vier provisorische Podeste mit dem Baugerüst an der Fassade erstellt, welche nach den Bauarbeiten wieder entfernt worden sind. Damit hätte für 20 von 90 Wohnungen der fünf Obergeschosse mit einfachen Massnahmen ein privater Aussenraum generiert werden können und die Fassade hätte ein zusätzliches Element erhalten. Diese Synergie war uns während der Planung nicht bewusst.

Kennwerte der Umnutzung Bürogebäude «The Brick 80»
| Mengen, nach SIA 416 | vorher | nachher |
|---|---|---|
| Gebäudevolumen (GV), m³ | 71'077 | 71'077 |
| Geschossfläche (GF), m² | 22'268 | 22'268 |
| Hauptnutzfläche (HNF), m² | 9'590 | 9'590 |
| Funktionale Einheiten (FE), Stk. | 1 | 114 |
| BKP 1 Vorbereitungsarbeiten | 1'867'461 | |
| BKP 2 Gebäude | 28'194'513 | |
| BKP 4 Umgebung | 462'830 | |
| BKP 5 Baunebenkosten | 344'835 | |
| BKP 9 Ausstattung | 17'158 | |
| BKP 1-9, CHF | 30'886'797 | |
| BKP 2, CHF/m³ GV | 397 | |
| BKP 2, CHF/m² HNF | 2'940 | |
| BKP 2, CHF/Stk. FE | 247'320 | |
| BKP 1-9, CHF/m³ GV | 435 | |
| BKP 1-9, CHF/m² HNF | 3'220 | |
| BKP 1-9, CHF/Stk. FE | 270'940 | |
| Energiebezugsfläche EBF, m² | 14'082 | 14'082 |
| Heizwärmebedarf Qh, kWh/m²a | 20 | |
| Grenzwert Qh,li für Umbauten, kWh/m²a | 31 | |
| Heizwärmebedarf Qh, in % des Grenzwertes | 63 | |
| Elektrizität, inkl. Wärmepumpe (falls vorhanden), kWh/m²a | ||
| Gesamtenergiebedarf (Heizwärmebedarf + Elektrizität), kWh/m²a | 20 | |
| Energieerzeugung | Fernwärme | Fernwärme |
| Eigenenergieversorgung erneuerbare Energie (PV, SK, Umweltwärme), kWh/m²a | ||
| Art der erneuerbaren Energie | ||
| Lüftungskonzept: | ||
| Luftschallschutz Decke Di, dB (mind. ≥ 52.0 dB nach SIA 181) | 59.0 | |
| Trittschallpegel Boden L', dB (max. ≤ 55.0 dB Umbau gemäss SIA 181) | 40.8 | |
| In welchem Umfang sind Bauteile ertüchtigt worden? | ||
| Musste eine massgebliche Reduktion beantragt werden? | Nein | |
| Erfüllungsfaktor αeff nach SIA 269/8 oder gem. Merkblatt SIA 2018 | * | |
| nach welcher Norm berechnet? | ||
| Nachhaltigkeitslabel | Minergie | |
| Treibhausgasemissionen Erstellung und Betrieb gem. SIA 2040, THG (kg CO2-eq/m²a) | N.B. | |
| Wohnungszugänglichkeit gem. BEHIG? | Ja | |
| Wohnungen vollständig behindertengerecht anpassbar? | Ja | |
Eckdaten
| Bauwerkname | Umnutzung Bürogebäude «The Brick 80» |
| Ort | Schärenmoosstrasse 80 8052 Zürich Oerlikon |
| Jahr der Fertigstellung | 2024 |
| Baujahr Bestand | 1988 (Architektur: Naef Partner AG Architekten und Planer, Zürich) |
| Bauweise | Massivbau Stahlbeton |
| Bauherrenvertretung | Wincasa AG |
| Architektur | Züst Gübeli Gambetti Architektur und Städtebau AG, Zürich Roman Züst, Martin Wenger, Sarah Maria Lechner, Gonçalo Magalhães |
| Bauleitung | Befair Partners AG, Zürich |
| Fachplaner | Landschaft: ORT AG, Zürich Statik: K2S Bauingenieure AG, Wallisellen HLKSE: 3-Plan Haustechnik AG, Winterthur |
| Spezialisten | Bauphysik: Michael Wichser+Partner AG, Dübendorf, Brandschutz: SafeT Swiss AG, Glattpark |












